Alltag im Grenzland: Schmuggel als ökonomische Strategie im by Mathias Wagner, Wojciech Lukowski

By Mathias Wagner, Wojciech Lukowski

Der in den 1990er Jahren eingeleitete Wandel politischer, ökonomischer und sozialer Strukturen in den Ländern Ostmitteleuropas führte zu Prozessen ausgeprägter sozialer Differenzierung. In den Grenzregionen entwickelten die Verlierer des Transformationsprozesses eine informelle Ökonomie, zu der auch der Schmuggel gehört. Als „Ameisen“ (pol. mrówki) sind die Schmuggler von Zigaretten, Wodka, Diesel und Benzin in Polen bekannt geworden. Der Sammelband stellt internationale Forschungsergebnisse vor, in denen die prekären Bedingungen des alltäglichen Überlebens in peripheren Regionen Ostmitteleuropas analysiert werden.

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Wilhelm Polligkeit, einer der Gründerväter des Deutschen Vereins für öffentliche und deepest Fürsorge, kann als Prototyp der neuen Sozialwissenschaftler in Bezug auf die Verwissenschaftlichung der Sozialen Frage in der Moderne bezeichnet werden. Industrialisierung, Säkularisierung, Bürokratisierung, Professionalisierung und Sozialdisziplinierung zu Beginn des 20.

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1 Die Familienmatrix sozialer Beziehungen Nun wollen wir den Versuch unternehmen, die für die Kohäsion einer lokalen Gesellschaft negativen Folgen einer solchen Familienmatrix sozialer Beziehungen zu beleuchten. In Goádap haben zwischenmenschliche Beziehungen nicht nur innerhalb der Familie den Charakter von starken Bindungen (Granovetter 1974), sondern auch im Rahmen von institutionellen Relationen. In aktuellen Lebensstrategien von Familien, die auf soziale Beziehungen abzielen, können wir mehrere charakteristische Vorgehensweisen identifizieren.

Wo verortet sich Schmuggel im „Diskontinuitätsmanagement“ (Mutz 1995: 309) des Einzelnen und seines Haushalts? Es wird dabei die These aufgestellt, dass Schmuggler keine homogene Gruppe bilden, sondern die Schmuggeltätigkeit auf vielfältige Art und Weise im 60 Bettina Bruns Rahmen ihrer ökonomischen Haushaltsstrategie und ihrer allgemeinen Lebensführung nutzen, was auch eine Verbindung von offizieller Berufstätigkeit mit der illegalen Handelstätigkeit umfassen kann. Es soll der Frage nachgegangen werden, auf welche Art und Weise Schmuggel als Tätigkeit im informellen Sektor mit anderen Einkommensquellen wie formaler Erwerbstätigkeit, Subsistenzwirtschaft und staatlichen Zuwendungen im Rahmen von ökonomischen Haushaltsstrategien kombiniert wird.

3 Fragestellung An diesem Punkt setzen die Fragestellungen dieses Artikels an. Welche Rolle spielt Schmuggel im Umgang mit erwerbsbiografischen Unsicherheiten? Was bedeutet die Ausübung dieser informellen Tätigkeit für das Haushaltseinkommen des Einzelnen, und wie wird sie in den Alltag der Schmuggler integriert? Wo verortet sich Schmuggel im „Diskontinuitätsmanagement“ (Mutz 1995: 309) des Einzelnen und seines Haushalts? Es wird dabei die These aufgestellt, dass Schmuggler keine homogene Gruppe bilden, sondern die Schmuggeltätigkeit auf vielfältige Art und Weise im 60 Bettina Bruns Rahmen ihrer ökonomischen Haushaltsstrategie und ihrer allgemeinen Lebensführung nutzen, was auch eine Verbindung von offizieller Berufstätigkeit mit der illegalen Handelstätigkeit umfassen kann.

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